Auferstehungskirche Heilig Kreuz

In Frieden ruhen - in Ruhe trauern

Renate Berger
Jetzt schauen wir in einen Spiegel
und sehen nur rätselhafte Umrisse,
dann aber schauen wir
von Angesicht zu Angesicht.
Jetzt erkenne ich unvollkommen,
dann aber werde ich
durch und durch erkennen,
so wie ich auch durch und durch
erkannt worden bin. 1 Kor 13,12
   
 
 

Renate Berger

geb. Rademacher
  • Geboren: 12.02.1935
  • Verstorben: 31.03.2008

Abschiedsrede für Mama

gehalten am 5.4.2008 - Doris Berger-Stein
 
Liebe Renate und liebe Mama,
liebe Schwiegermutter und liebe Oma,
liebe Anverwandte und Freundin,
Nachbarin und Lehrerin,
 
wir müssen dich heute aus unserer Mitte verabschieden.Aus diesem Anlass wollen wir uns wichtige Stationen und Akzente deines Lebens in Erinnerung rufen:
Nachdem du im Februar 1935 geboren worden warst, wohntest du mit deinen Eltern in Gleiwitz in der Johannesstraße – in der gleichen Straße, in der Erich - dein Ehemann in spe - bereits mehr als sechs Jahre lang lebte.
 
Zwei Jahre später – 1937 – zogst du mit deinen lieben Eltern in die Hans-Thomas-Straße um, bliebst aber im gleichen Stadtteil, in Petersdorf. Als Kindergartenkind lerntest du deine Freundin Annelies kennen, mit der dich fortan eine intensive Freundschaft verband. Deine Grundschulzeit war geprägt von Krieg, Sorge um den Vater, Angst und Verlust. Deine Jahre auf dem Gymnasium wurden bestimmt durch die Nachkriegszeit, in der es zunächst galt, sich anzupassen und von heute auf morgen eine fremde Sprache zu beherrschen: Polnisch.
 
Doch es gab auch Freude: Du bist deinem Erich wieder begegnet - 1954 fand die Hochzeit statt, zwei Jahre später wurdest du zum ersten Mal Mutter.
1957 hast du mit deiner kleinen Familie Gleiwitz verlassen, um in den Westen, um nach Mülheim zu kommen. Du hast dich hier wohl gefühlt – doch den Verlust der Heimat hast du nie wirklich überwinden können.
Aus Kummer über den Tod deines geliebten Vaters 1960 erkranktest du schwer an einer Leberentzündung – die dich in der Erinnerung immer begleitet hat.
Auch wenn die 60er Jahre traurig begannen – so gab es auch hier Familienfreuden: 1965 wurdest du zum zweiten Mal Mutter, 1969 bezogst du mit Erich und uns Kindern das Eigenheim im Düsterweg.
In der neuen Heimat hast du schnell Fuß gefasst: In der Nachbarschaft, in der Gemeinde Heilig Kreuz und durch dein Wirken für die Kirche gewannst du viele Freunde und Freundinnen. Sie alle sind das Argument, unserem Angebot, nach Köln in unsere Nähe zu ziehen, nicht nachzukommen: In ihrer Nähe hier in Mülheim wolltest du leben.
 
1974 begann eine weitere neue berufliche Ära in deinem Leben: Du begannst, Sprachen zu unterrichten. Deutsche lernten Polnisch, Aussiedler und Aussiedlerinnen lernten Deutsch bei dir. Du wurdest zur Lehrerin und Dolmetscherin, über viele Grenzen hinweg.
Gleichzeitig hast du weitere Schwerpunkte für dich entdeckt, so hast du z. B. angefangen zu nähen und es zu einer wahren Nähkunst gebracht. Dein Organisationstalent und deine Kreativität machten es dir möglich, ein intensives Familienleben zu gestalten, engagiert deinem Beruf nachzugehen, den Haushalt zu bestreiten und in vielen Ehrenämtern tätig zu sein: Viele Menschen in Mülheim haben davon profitiert, insbesondere vom Leben Benachteiligte und Bedürftige.
Charakteristisch für die 80er und die erste Hälfte der 90er Jahre sind viele Feste im Kreise der Familie, von Freunden und Freundinnen, Nachbarn und Nachbarinnen: Ihr beide, Erich und du, habt unsere Hochzeit ausgerichtet, feiertet eure runden Geburtstage, genauso wie viele eurer Lieben, bei denen ihr eingeladen wart. Zu deiner großen Freude wurdest du zweifache Oma: Marco und Marcel fanden in dir eine manchmal mahnende, aber immer liebende und großzügige Oma. Deine Tür war immer offen für sie.
 
Schöne Reisen gehörten ebenfalls zum Programm. Begeistert und humorvoll wusstest du davon zu berichten.
 
Bald aber zogen Schatten auf: Ende 1996 wurde die Hodgkin-Krankheit bei dir diagnostiziert. Diese Krankheit hast du besiegt. Dabei halfen dir 49 Bestrahlungen und dein Erich, der dich begleitet und tatkräftig unterstützt hat. Nach der Genesung folgten Jahre großer Zuversicht und Lebensfreude.
Zur Hochzeit von Lutz und Anja Ende 1997 fühltest du dich wieder gesund und warst froh und glücklich. Es folgten die vielleicht unbeschwertesten Jahre deines Lebens.
Das Jahr 2004 begann mit einer weiteren Krankheit: Du musstest dir die Gallenblase entfernen lassen. Das für dich wichtigste Ereignis aber war ein anderes: Du hast mit deinem Erich die Goldhochzeit feiern dürfen. Dafür bist du sehr dankbar gewesen, du hast dies als ein Geschenk empfunden, zumal es dich immer traurig gestimmt hat, dass weder deine Eltern noch deine Schwiegereltern dieses Glück erfahren durften. Wir wiederum sind dankbar, dass wir diesen glücklichen Augenblick miterleben konnten.
 
Zu Beginn des Jahres 2006 erlittest du einen Schlaganfall – dein Sprachzentrum fiel aus. Mit Hilfe einer weiteren Operation und starkem Willen hast du auch diese Hürde überwunden. Nur eineinhalb Jahre später – im Oktober 2007 – traf dich ein weiterer gesundheitlicher Schlag, der uns alle mit dir hoffen und bangen ließ. Bisher hattest du mit Bravour alle Krankheiten gemeistert, doch diesmal war die Krankheit stärker als du. Du hast diesen Kampf verloren, und wir haben dich verloren. Die Erinnerung aber an deine Kraft und deinen Optimismus, deine Fürsorge und deinen Sinn für soziale Gerechtigkeit, dein Engagement für die Bedürftigen und Benachteiligten wird stärker sein als alles andere.
 
Liebe Mama,
Meine Grundschullehrerin schrieb mir in mein Poesiealbum:
Lebe, wie du, wenn du stirbst, wünschen wirst, gelebt zu haben.
Ich denke, dir ist dies gelungen.

Grabstätte: